Totengebet in Abwesenheit (Salat al-Ghaib)
Das Totengebet in Abwesenheit, begründet für an-Najashi.
Hijri 9 AH n. Chr. 630 n. Chr.
Das Totengebet für einen Verstorbenen, dessen Leichnam nicht zugegen ist — begründet durch das Gebet des Propheten ﷺ für den Najashi von Abessinien.
Definition
Ṣalāt al-ghā’ib beziehungsweise janāzah ʿalā al-ghā’ib: das Janazah-Gebet für jemanden zu verrichten, der in einem anderen Land gestorben ist, ohne dass der Leichnam vor den Betenden liegt.
Wie es in der Sīra erscheint
Als As’hama, der Najashi — der gerechte König, der die Auswanderer aufnahm (die erste Hijra) und später über den Brief des Propheten ﷺ den Islam annahm — im Jahr 9 AH starb, verkündete der Prophet ﷺ den Sahaba seinen Tod noch am selben Morgen („euer Bruder ist in Abessinien gestorben — betet das Janazah-Gebet für ihn“) und leitete das Gebet ohne anwesenden Leichnam. Es ist das einzige Mal in seinem Leben ﷺ, dass ein Janazah-Gebet ohne Leichnam verrichtet wurde.
Belege
- Das Janazah-Gebet in Abwesenheit für den Najashi, in Bukhari und Muslim.
Lehren
- Es begründet die Zulässigkeit des Salat al-Ghaib — auch wenn sein Anwendungsbereich im Fiqh umstritten ist.
- Die stärkste vermittelnde Auffassung: Es wird für jemanden gebetet, der dort stirbt, wo niemand das Janazah-Gebet für ihn verrichtet (wie der Najashi unter Nichtmuslimen starb) — nicht regelmäßig für jeden entfernt lebenden Muslim.
- Ein Schlussstein der Geschichte des Najashi: Im Tod geehrt vom Propheten ﷺ selbst, ein Tabi’ beziehungsweise Mukhadram, der glaubte, ihn ﷺ aber nie traf.
Querverweise
An-Najashi (der Negus) — As'hama ibn Abjar · Die Briefe an die Könige · Die Auswanderungen nach Abessinien · Muhammad ﷺ
Quellen
- S010 — Yasir Qadhi Seerah EP 071. Das Janazah-Gebet in Abwesenheit für den Najashi steht in Bukhari und Muslim; das Fiqh des ṣalāt al-ghā’ib wird daraus abgeleitet.